Artists Take Action

Dieser Ratgeber unterstützt Kulturschaffende aller Sparten bei Fragen zur sozialen Sicherheit.

Mit dieser umfassenden Wissensdatenbank bietet Artists Take Action unter anderem Aufklärung zu den wichtigen Themen wie Alter, Familie, Auslandsaufenthalte, Unfall und Krankheit. Oder es zeigt auf, welche Versicherungen obligatorisch und welche freiwillig sind. Egal, wie viel man bereits über soziale Sicherheit weiss: Dieser Ratgeber von Kulturschaffenden für Kulturschaffende beantwortet die drängendsten Fragen.

Für wen ist dieses Tool?

Artists Take Action richtet sich an alle Kulturschaffenden, die in der Schweiz leben und arbeiten.

Woraus besteht dieses Tool?

Artists Take Action ist der umfassendste spartenübergreifende Guide zur sozialen Sicherheit in der Kultur. Er bietet Antworten zu konkreten Fragen zu Sozialversicherungen und Erwerbsformen. Bei weiteren Fragen wird ein Kontakt zum jeweiligen Berufsverband hergestellt.

Warum braucht es dieses Tool?

Viele Kulturschaffende lernen in ihrer Ausbildung wenig oder gar keine Grundprinzipen des Arbeitsmarktes kennen. Artists Take Action hilft dabei, die grundlegenden Lücken in Bezug auf Arbeitsrecht, Selbstständigkeit, soziale Absicherung und Versicherungen zu füllen.

Impressum

Suisseculture Sociale

info@suisseculturesociale.ch

artists-take-action.ch

Talking Diversity

In der Kommunikation am Schauspielhaus Zürich wird diskriminierungssensible und -kritische Sprache verwendet. Damit das Publikum weiss, wovon gesprochen wird, wenn bestimmte Wörter benutzt werden, haben Mitarbeiter*innen und Ensemblemitglieder des Schauspielhaus Zürich ein Glossar mit Grundlagenbegriffen zusammengestellt.

Woraus besteht dieses Tool?

Dieses Glossar ist eine Sammlung von Begriffen, die erklärt werden. Die Begriffe, die hier vorgestellt werden, sind explizit keine Definitionen und nicht für alle Ewigkeit in Stein gemeisselt.

Einige kommen aus dem US-amerikanischen Sprachraum und haben noch keine deutsche Entsprechung gefunden. Die Begriffe sind oft abhängig von lokalen gesellschaftlichen Kontexten, in denen sie verwendet werden, ihre Bedeutungen verschieben sich im Gebrauch.

Sie liefern ein temporäres Abbild unserer Zeit, im Wissen darum, wie schnell sich gesellschaftliche Zustände verändern.

Tags

#glossar
#diversity
#inklusivesprache #schauspielhaus.ch
#talkingdiversity

Wozu kann dieses Glossar beitragen?

Dieses Glossar sensibilisiert für diskriminierungssensible Sprache. Eine diskriminierungssensible Sprache hilft zu differenzieren und Stereotypisierungen und gewaltvollen Fremdzuschreibungen entgegenzuwirken.

Sie lässt stattdessen alle Individuen mit ihren persönlichen Zugehörigkeiten selbst und selbstgewählt sprechen.

Für wen ist dieses Tool?

Dieses Glossar ist für alle.

Die Begriffe sollen Mut machen, Sprache nicht als Zwang, sondern als kreatives Werkzeug zu begreifen, das es uns möglich macht, die Welt selbstbestimmt mitzugestalten.

Warum braucht es dieses Glossar?

Sprache ist ein fluides Tool. Sie spiegelt gesellschaftliche Prozesse, kann manchmal sogar Veränderungen vorantreiben. Wer das eigene Sprechen diskriminierungssensibel gestaltet, trägt dazu bei,

  • jahrhundertealte und gesamtgesellschaftlich wirkende Macht- und Gewaltsysteme zu überwinden,
  • die Herabsetzung von verletzbaren Menschen zu vermeiden und
  • marginalisierten Gruppen zu Sichtbarkeit zu verhelfen.

Marginalisierte Menschen sind nicht nur sprachlich, sondern auch in Medien, Politik und Kultur untervertreten und erhalten keine Bühne oder wenig Gehör für ihre Stimme.

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Das Glossar existiert auf Deutsch und Englisch.

Impressum

Textnachweise:
Die Texte aus diesem Glossar speisen sich aus unterschiedlichen Quellen, die wir gerne nennen und denen wir danken möchten: Diversity Arts Culture, www.diversity-arts-culture.berlin; Diversum – Verein für rassismuskritisches Denken, www.verein-diversum.ch sowie das Glossar in Evein Obulor & Rosamag (Hg.): Schwarz wird großgeschrieben, 2021. Ein Teil der Texte sind Originalbeiträge für diese Publikation.

Redaktion:
Fadrina Arpagaus, Yuvviki Dioh, Miriam Ibrahim, Laura Kaufmann, Laiya Sievi

Herausgeberin: Schauspielhaus Zürich AG Zeltweg 5, 8032 Zürich

Kleintheater Luzern: «Alle Inklusive» – eine Box für mehr

Was können wir als Menschen ohne Behinderungsperspektive dazu beitragen einen inklusiveren Zugang zu Gesellschaft und Kultur zu schaffen? Das beschäftigt das Kleintheater Luzern. Um sich einer Antwort anzunähern haben die Co-Leitung, der Inklusionsbeauftragte des Hauses und eine inklusive Arbeitsgruppe die Toolbox «Alle Inklusive» entwickelt. Diese Toolbox unterstützt Individuen, Gruppierungen und Institutionen aus Kultur, Schule oder öffentliche Verwaltung auf dem Weg zu mehr Inklusion. Sie dient als Starthilfe für alle, die Barrieren abbauen möchten. Inklusion beginnt überall. «Alle Inklusive» ist praxisnah, humorvoll und ergebnisorientiert.

Hier sind weitere Informationen zum Kleintheater Luzern Projekt «Inklusiver Kulturbetrieb» und den Dokumentarfilm «Alle inklusive – ein Kleintheater will mehr».

Woraus besteht dieses Tool?

Die physische Toolbox besteht aus 3 Teilen.

  • Ohne Tabu: Ein Begriffsspiel, das Begriffe aus dem Themenbereich Inklusion vermittelt.
  • Werkstatt: Eine Workshopanleitung, mit der Teams konkrete Massnahmen entwickeln können.
  • Häppchenweise: Eine Website mit Übungen, Wissensinputs und wichtigen Links zum Thema Inklusion.

 

 

Für wen ist dieses Tool?

«Alle Inklusive» richtet sich an nichtbehinderte Individuen, Gruppen und Institutionen aus Kultur, Schule oder öffentlicher Verwaltung.

Warum braucht es dieses Tool?

«Alle Inklusive» stellt zentrale Fragen und lädt dazu ein, diese gemeinsam zu beantworten:

  • Was bedeutet Inklusion in diesem Kontext?
  • Welches Wissen ist bereits vorhanden, und was muss noch erarbeitet werden?
  • Welche Ziele sollen erreicht werden, und welche Herausforderungen treten dabei auf?
  • Was motiviert die Beteiligten, den Prozess fortzusetzen, und welche Unterstützung ist dafür notwendig?

 

 

Was kann dieses Tool?

«Alle Inklusive» hilft dabei, sich Barrieren bewusst zu werden und mit dem Abbau dieser zu beginnen.

Tags

#inklusion
#kulturbetrieb
#alleinklusive
#Gesellschafsspiel
#Workshop
#Werkstatt
#theater
#behinderung
#kleintheaterluzern
#barrieren

Impressum

Kleintheater Luzern www.kleintheater.ch

Fabienne Mathis, Janine Bürkli

Verlag: Der gesunde Menschenversand GmbH, menschenversand.ch

«All Inklusive» wurde u.a. mit dem Competence Center for Diversity, Disability, and Inclusion (CCDI) der Universität St.Gallen entwickelt und bereits vom Theater Neumarkt Zürich, dem Theater Stadelhofen, den Museen Luzern, dem Kunstmuseum Luzern und dem ThiK Theater im Kornhaus Baden getestet.

Values of Solidarity

Ein Mediationsspiel für Teambildung und kulturelle Ko-Kreation

«Values of Solidarity» ist ein Workshop-Tool, das zugleich Spiel und Vermittlungsinstrument für Teams ist, die am Beginn einer Zusammenarbeit stehen. Mit Hilfe der Karten können Teilnehmende beschreiben, welche Werte ihnen wichtig sind und erfahren, welche Werte ihre Partner*innen antreiben. Auf diese Weise lernt sich eine Projekt- oder Arbeitsgruppe näher kennen und es werden Werte, Erfahrungen und Bedürfnisse geteilt, die sonst vielleicht nicht ausgesprochen würden. Die Diskussionen, die sich aus dem Spiel ergeben, fördern eine kollaborative Kommunikation und schaffen ein solidarisches und nachhaltiges Arbeitsumfeld, das die kulturelle, intellektuelle und emotionale Vielfalt der Teilnehmenden widerspiegelt.

Woraus besteht dieses Tool?

«Values of Solidarity» ist ein Kartenset in englischer Sprache. Das Spiel enthält zwei Arten von Karten:

«Value»-Karten enthalten Beschreibungen von Werten, die für eine solidarische Zusammenarbeit wichtig sein können wie z.B.:

  • Ehrlichkeit
  • Motivation
  • Respekt
  • Gesundheit
  • etc.

«Conflict»-Karten enthalten fiktive Szenarien, in denen schlechte Kommunikation und kulturelle Unterschiede zu Spannungen und Konflikten führen, die es zu überwinden gilt.

Tags

#community
#care
#werte
#solidarität
#kollaboration
#faire praxis
#gewaltfreiekommunikation
#reshapenetwork
#valuesofsolidarity

Warum braucht es dieses Kartenset?

In Arbeitsgruppen und Kooperationen kann es zu Konflikten kommen, wenn die Wertvorstellungen der Mitglieder sehr unterschiedlich sind oder die einen die Rechte der anderen nicht anerkennen.

Im Spiel befassen sich Teams mit fiktiven Konfliktsituationen und die Teammitglieder können ihre eigenen Werte formulieren. Ziel ist es, dass jedes Team seinen eigenen Werterahmen formuliert.

Die Solidarität in der Gruppe wird dadurch gefördert.

Für wen ist dieses Tool?

Das Tool wurde speziell für Teams entwickelt, die sich am Anfang ihrer Zusammenarbeit befinden. Es adressiert sich vor allem an Projektteams aus Kunst und Kultur, ist aber auch für andere Sektoren relevant.

Was kann dieses Kartenset?

«Values of Solidarity» bietet Inspiration sowie die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie ein Team mögliche Konflikte bewältigen will.

Das Spiel versetzt die Teilnehmenden gemeinsam in Konfliktszenarien. Somit können sie die oft unsichtbaren und undurchsichtigen Mechanismen erkennen, die Spannungen und Schwierigkeiten verursachen. Gleichzeitig können die Teilnehmenden die notwendigen Methoden finden, um Spannungen abzubauen, besonders wenn unterschiedliche Hintergründe aufeinandertreffen.

Dieses Spiel kann bei jeder Person das Bewusstsein dafür stärken, dass Solidarität einen ganz praktischen und operativen Rahmen für Kollaboration bietet.

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Mehr Informationen auf der Webseite von Reshape Network:

The Gamified Workshop Toolkit: Values of Solidarity

Auszug auf Englisch herunterladen

Kartenset bestellen

Das Kartenset kann bei RESO – Tanznetzwerk Schweiz für CHF 15.– plus Versandkosten bestellt werden.

Interessierte können sich per E-Mail bei RESO melden: info@reso.ch

Impressum

2020, RESHAPE Network

reshape.network

Verfasst von Anikó Rácz, Doreen Toutikian und Dorota Ogrodzka mit Beratung durch Konrad Gadzina.

Entwickelt im Rahmen des RESHAPE-Projekts «Solidarische Ökonomien», an dem Ouafa Belgacem, Ekmel Ertan, Harald Geisler, Anastasya Kizilova, Dorota Ogrodzka, Anikó Rácz, Laure de Selys und Doreen Toutikian unter der Leitung von Nike Jonah beteiligt waren.

Die Neuauflage von «Values of Solidarity» in 2022 wurde von Reso – Tanznetzwerk Schweiz und m2act, das Förder- und Netzwerkprojekt des Migros-Kulturprozent, finanziert.

PERMA-CULTURE, für mehr Nachhaltigkeit in den Darstellenden Künsten

Seit 2022 forscht das Team des far° Nyon kollektiv daran, seinen Betrieb und die Darstellenden Künste im Allgemeinen nachhaltiger zu gestalten. Dabei stützt es sich auf die Prinzipien der Permakultur (konzeptionelle Toolbox, die auf einer Ethik der Fürsorge basiert; aus der Zusammenziehung der englischen Wörter «permanent» und «agriculture» entstandener Begriff). 

2023, nach Abschluss der ersten Phase dieser Forschung, wurde PERMA-CULTURE (work in progress) veröffentlicht. Dieser kurze Essay ist als Raum für den Austausch gedacht. Er kann sowohl als Archiv unserer Experimente als auch als eine Reihe von Vorschlägen (Übungen, Referenzen und Reflexionen) gelesen werden, die eventuell als Inspiration dienen können.

Die Publikation ist auf Französisch und Englisch als Fanzine erhältlich (Bestellung beim far° Nyon). Eine zweisprachige Version (FR/EN), zum Lesen am Bildschirm oder zum Selbstausdrucken im A4-Format, ist online verfügbar.

Woraus besteht dieses Tool?

Bei dem Tool handelt es sich um eine kleine Publikation. Sie umfasst:

  • Erfahrungsberichte,
  • theoretische Ressourcen,
  • Beispiele aus der Praxis.

Die Publikation soll eine Inspirationsquelle sein. 2024–2025 bieten das Team des far° und seine Kollaborierenden eine Reihe von Workshops im Zusammenhang mit dem Projekt und der Publikation an.

 

Tags

#nachhaltigkeit
#toolbox
#veränderung anregen
#einfache und konkrete Beispiele
#wohlbefindenamarbeitsplatz
#zugänglichkeit

Was kann dieses Tool?

Das Team des far° Nyon erhebt nicht den Anspruch, mit PERMA-CULTURE ein Wundermittel geschaffen zu haben. Es bietet jedoch einige konkrete und theoretische Werkzeuge, mit denen es echte Veränderungen im Kleinen wie im Grossen anstossen konnte.

 

 

 

 

 

Für wen ist dieses Tool?

Diese Publikation kann die Überlegungen und Praktiken all jener bereichern, die versuchen, ihre Arbeitsweise zu verändern, um sie ökologisch, menschlich, sozial und künstlerisch nachhaltiger zu gestalten.

 

Warum braucht es dieses Tool?

Angesichts des Klimawandels müssen wir unsere Arbeitsweisen dringend überdenken, um die Darstellenden Künste und den Kulturbereich im Allgemeinen nachhaltiger zu gestalten. Die Permakultur bietet ein einfaches, zugängliches und auf alle Gegebenheiten anwendbares Modell zur Bewältigung dieser Herausforderung.

Impressum

Urheberschaft:

far° Nyon, mit Leila Chakroun, Clément Demaurex und Gregory Stauffer

Kontakt:

participation@far-nyon.ch
Webseite

Foto: Workshop beim far° festival des arts vivants

©Arya Dil, far° Nyon, 2024

 

FAIRSPEC Kodex

RICHTLINIEN FÜR ETHISCHE ARBEITSWEISEN IN DER FREIEN SZENE

Künstler*innen der freien Darstellenden Künste in der Deutschschweiz sowie Vertreter*innen von Institutionen und Förderstellen haben sich 2020/21 an einer Reihe von Veranstaltungen der Initiative FAIRSPEC mit dringlichen sozialen, künstlerischen und zeitgenössischen Fragen auseinandergesetzt, um einen gemeinsamen Kodex zu entwickeln.

Am Montag, 30.8.2021 wurde der «FAIRSPEC Kodex» veröffentlicht. Dieser gehört im deutschsprachigen Raum zu den ersten Richtlinien für ethische Arbeitsweisen in der freien Szene.

Der Kodex benennt die wesentlichen Leitmotive, die für die zukünftige Arbeit in den Darstellenden Künsten wegweisend sind. Sie umfassen persönliche Kompetenzen, Aspekte der Kommunikation und der Zusammenarbeit, sowie die Verpflichtung, die Richtgagen von Berufsverbänden einzuhalten.

WARUM BRAUCHT ES DIESEN KODEX?

Durch Selbstverpflichtung und gegenseitige Unterstützung will FAIRSPEC mit Hilfe des Kodex bekannte problematische Verhaltensweisen in den Darstellenden Künsten angehen.

Im Mittelpunkt steht die künstlerische Arbeit. Jeder künstlerische Prozess ist auch ein sozialer Prozess. Damit einher geht eine hohe Verantwortung sowohl hinsichtlich der künstlerischen Freiheit als auch des umsichtigen Miteinanders.

TAGS

#verhaltenskodex
#konstrkutivität
#transparenz
#diversität
#nachhaltigkeit
#wertschätzung

WAS KANN DIESER KODEX?

Einzelpersonen und Institutionen können den Kodex unterzeichnen und ihn selbstverantwortlich in ihrer täglichen Arbeit anwenden.

Er hilft

  • Handlungen und Arbeitsweisen zu reflektieren
  • an sich selbst und den eigenen Arbeitsstrukturen kontinuierlich zu arbeiten

FÜR WEN IST DIESER KODEX?

Die Unterzeichnenden verpflichten sich in diesem Kodex Richtlinien, die ihre Werte widerspiegeln und die für alle Beteiligten gleichermassen gelten. Sie erhoffen sich, dass dieser Kodex in möglichst viele Arbeitskonstellationen sowohl in der freien Szene als auch an subventionierten Häusern hineingetragen wird und damit eine von Respekt und Gerechtigkeit geprägte Wirklichkeit schafft.

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Lies den Kodex auf Deutsch und Englisch auf der Webseite von FAIRSPEC

www.fairspec.ch

Impressum

FAIRSPEC

Zürich, August 2021

Kooperationen in den Darstellenden Künsten

Glossar

In Kooperationen zwischen Theatern, Festivals und Compagnien entstehen immer wieder Missverständnisse, wenn es darum geht, die Rollen und Leistungen der Partner zu definieren und zu verhandeln. Insbesondere der Begriff der «Koproduktion» wird inzwischen für alle möglichen Arten von Partnerschaften verwendet. Dies führt zu einer zunehmenden Entwertung dieser wichtigen Kooperationsform und der mit ihr verbundenen Leistungen.

Deshalb hat CORODIS (Commission romande de diffusion des spectacles) 2018 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, an der auch RESO (Tanznetzwerk Schweiz) und das Migros-Kulturprozent / m2act beteiligt waren. Das daraus entstandene Glossar und seine Definitionen wurden 2019 von den Mitgliedern der die Mitglieder von CORODIS (die Kantone und die Mehrheit der Städte der französischen Schweiz) und den Mitgliedern der FRAS (Fédération romande des arts de la scène) angenommen und bis 2021 von Reso auf Deutsch übersetzt. 

Warum braucht es dieses Glossar?

m2act teilt die Überzeugung der Initiant*innen, dass eine schweizweite und konsequente Anwendung dieses Glossars wesentlich zur Klärung und Verbesserung der Kooperationen im Bereich der Darstellenden Künste beitragen wird und unterstützt die Weiterverbreitung in der ganzen Schweiz aktiv.

Tags

#koproduktion
#verträge
#kooperation
#transparenz
#faire praxis

Für wen ist dieses Glossar?

Das Glossar richtet sich an Theater, Festivals und Compagnien zugleich. Es bietet sich an als Gesprächsgrundlage bei Verhandlungen über Kooperationen und Koproduktionen.

Was kann dieses Glossar?

Es klärt folgende Fragen:

  • Was ist überhaupt eine Koproduktion und was nicht?
  • Zwischen welchen Partner*innen wird eine Koproduktion eingegangen?
  • Welche Leistungen beinhaltet eine Koproduktion?

Es hilft,

  • Leistungen klar zu definieren
  • Verbindlichkeit zu fördern
  • Missverständnisse aus dem Weg zu räumen
  • Kooperationen zu verbessern
  • Verständnis von unterschiedlichen Begriffen, Strukturen und Kooperationskulturen zwischen der Romandie und der Deutschschweiz zu schärfen

1. Kooperierende Strukturen

 

PRODUKTIONSSTRUKTUR: Juristische Person (meist eine Compagnie oder ein Theater), welche eigenverantwortlich Tanz- oder Theaterproduktionen realisiert. Sie besitzt die Rechte an der Produktion, ist zuständig für deren Finanzierung und übernimmt die Verantwortung als Arbeit- und Auftraggeberin für die Mitarbeitenden. Sie koordiniert die notwendigen personellen und materiellen Ressourcen und muss dabei stets zwischen den ökonomischen und künstlerischen Bedingungen abwägen, damit das Projekt umgesetzt werden kann. Sie übernimmt meist auch die Koordination der Auswertung der Produktion (Aufführungen, Diffusion) und kümmert sich um die Löhne, Honorare und sonstige Entschädigungen an die Mitarbeitenden sowie um die Aufbewahrung und Instandhaltung der Kostüme, des Bühnenbilds und der Requisiten.

 

ORGANISATIONSSTRUKTUR: Juristische Person (meist ein Theater oder ein Festival), welche eine Tanz- oder Theaterproduktion einlädt, um diese vor einem Publikum aufzuführen. Sie übernimmt sämtliche Kosten für die Durchführung der Aufführungen und bietet dafür einen geeigneten Ort, die notwendige Infrastruktur und Technik. Darüber hinaus ist sie für Urheberrechtsabgaben verantwortlich und stellt das notwendige eigene Personal für die technischen Betreuung (Auf- und Abbau, Ton, Licht etc.), für die Sicherheit und Betreuung des Publikums, den Ticketverkauf sowie für die Kommunikation und Bewerbung der Aufführungen.

 

BEAUFTRAGTE PRODUKTIONSSTRUKTUR: Produktionsstruktur, die von einer oder mehreren Organisationsstrukturen (meist Theater oder Festivals) im Rahmen einer Koproduktion (vgl. «Koproduktion») beauftragt wird, in deren Namen eine Tanz- oder Theaterproduktion zu realisieren. Sie übernimmt die Organisation der Produktion sowie die rechtliche und finanzielle Verantwortung im Rahmen der Vereinbarung mit den anderen an der Koproduktion beteiligten Strukturen.

2. Formen der Kooperation

 

KOPRODUKTION: Eine Koproduktion wird zwischen einer Produktionsstruktur und einer oder mehrerer Organisationsstrukturen vereinbart, die finanzielle, technische und personelle Ressourcen zusammenlegen, um gemeinsam ein Stück zu produzieren. Die finanziellen Leistungen der an der Koproduktion beteiligten Organisationsstrukturen müssen höher sein, als der Verkaufspreis der Aufführungen, so dass damit ein Teil der Produktionskosten gedeckt werden kann. Zum finanziellen Koproduktionsbeitrag können weitere personelle oder Sachleistungen hinzukommen. Für die Koproduktion und die Aufführungen sind zwei separate Verträge abzuschliessen.

 

PREACHAT: Als «Préachat» (Vorkauf) bezeichnet man den Kauf von einer oder mehrerer Aufführungen, bevor die Tanz- oder Theaterproduktion produziert wurde. Für die Organisationsstruktur stellt der Préachat ein künstlerisches und finanzielles Risiko dar und sollte daher als Vertrauensvorschuss gegenüber der Produktionsstruktur wertgeschätzt werden. Die Bezeichnung der Organisationsstruktur als «Partner», z.B. in allen Kommunikationsmitteln, ist daher angemessen (vgl. «Partnerschaft»).

 

PARTNERSCHAFT: Als «Partner» wird eine Organisationsstruktur bezeichnet, die eine Produktionsstruktur aktiv bei der Recherche, Produktion oder Diffusion unterstützt. Die damit verbundenen Leistungen können vielfältig sein: technische oder dramaturgische Begleitung, Bereitstellung von Proberäumlichkeiten, Unterstützung beim Fundraising, Kommunikation und Medienarbeit, bei der Diffusion und Vernetzung etc. Privilegierte Formen der Partnerschaft stellen insbesondere «Préachat» und «Residenz» dar.

 

RESIDENZ: Im Rahmen einer Residenz stellt eine Organisationsstruktur einer Produktionsstruktur während einem sinnvollen Zeitraum kostenlos einen geeigneten Arbeitsraum sowie Unterkünfte und Verpflegung, insbesondere für auswärtige Gäste, zur Verfügung. Zusätzlich können Probezeit auf der Bühne, technische und/oder dramaturgische Unterstützung gewährt werden.

 

ARTIST/S IN RESIDENCE | ASSOCIATED ARTIST/S: Kunstschaffende oder Compagnie, die von einer Organisationsstruktur dazu eingeladen werden, während eines bestimmten Zeitraums aktiv am Leben des Theaters oder Festivals teilzunehmen und dieses mitzugestalten. Während sie die Organisationsstruktur konzeptuell, künstlerisch und/oder durch ihre regelmässige Präsenz bereichern, unterstützt diese sie in ihrer künstlerischen Entwicklung und steht als Koproduzentin von Neuproduktionen fest. Der/die Kunstschaffende oder Compagnie kann z.B. bei Teamsitzungen, bei der Programmgestaltung oder Vermittlung eingebunden werden.

3. Finanzielle Leistungen

 

VERKAUFSPREIS (für eine oder mehrere Aufführungen; frz. «PRIX DE CESSION»): Der Verkaufspreis muss mindestens sämtliche Kosten decken, die seitens der Produktionsstruktur anfallen, um die Aufführungen durchführen zu können. Er wird durch die Produktionsstruktur festgelegt und kann eine mehr oder weniger hohe Gewinnspanne enthalten, welche die gesamte oder teilweise Rückfinanzierung von Wiederaufnahme-, Betriebs- oder Produktionskosten erlaubt.

 

KAUFVERTRAG (für eine oder mehrere Aufführungen; frz. «CONTRAT DE CESSION»): Vertrag zwischen einer Organisationsstruktur (Käufer) und einer Produktionsstruktur (Verkäufer), welche die Leistungen der beiden Partner regelt: Zusätzlich zum Verkaufspreis übernimmt der Käufer in der Regel Reise-, Transportkosten, Per Diems, Unterbringungskosten sowie die Abgeltung von Urheberrechten. Ausserdem regelt der Kaufvertrag die notwendigen technischen Rahmenbedingungen (Technical Rider).

 

GAGE: Die Gage ist der gebräuchliche Begriff für die Entlohnung des an einer Tanz- oder Theaterproduktion resp. ihrer Aufführungen beteiligten Personals. In der Schweiz hat dieser Begriff keine gesetzliche Grundlage: Es handelt sich entweder um Löhne (inkl. Sozialabgaben) oder um Honorare für Mitarbeitende, die selbstständig erwerbstätig sind. Dieser Begriff wird im Rahmen von Verhandlungen häufig mit dem «Verkaufspreis» für eine oder mehrere Aufführungen verwechselt, der jedoch noch weitere notwendige Kosten seitens der Produktionsstruktur beinhaltet (vgl. «Verkaufspreis»).

 

«COÛT PLATEAU»: Im Deutschen wird dieser Begriff nicht verwendet. Im Französischen bezeichnet er ausschliesslich die Kosten, die mit der Aufführung auf der Bühne verbunden sind, d.h. die Summe der Aufführungsgagen der Künstlerinnen und Techniker sowie ggf. die Kosten für Verbrauchsmaterial. Nicht enthalten sind jedoch die Kosten für die Produktion und Diffusion, Wiederaufnahmekosten oder Transport- und Reisekosten etc.

Impressum

Eine Initiative von

In Zusammenarbeit mit

Erarbeitet auf Französisch von 2018-19
Übersetzt auf Deutsch im März 2021